Das Projekt

Von der Idee zur Umsetzung

PHILIPP LÄNG'S IDEE

Zahlreiche Projekte mit Besonderen Menschen wurden von mir oder mit meiner Unterstützung bereits umgesetzt. Als musikalischer Begleiter arbeite ich in Stiftungen, verschiedenen Schulen und der Musikschule Biel auch mit besonderen Menschen. Als Musiker und Instrumentenerfinder habe ich verschiedene Konzerte der SfuM (Schule für ungehinderte Musik, Basel) mitgestaltet und mit meinen Ideen und Instrumenten erweitert. SfuM arbeitet mit Kompositionen und Songs, angepasst an die Teilnehmenden, mit viel Liebe eingeübt und in einem abendfüllenden Programm auf verschiedenen Bühnen aufgeführt. Das sind unglaublich schöne und wertvolle Erfahrungen.

Aus dieser Arbeit heraus entstand der Wunsch, Konzerte für professionelle Musikschaffende und MusikerInnen mit Behinderung zu realisieren

Der Name für dieses Projekt: SOLO:SPECIAL

Ich wollte wissen, ob die Unmittelbarkeit, die performative Qualität, die einmalige Bühnenpräsenz und die spezielle Musikalität von diesen besonderen Menschen noch auf eine ganz andere Art sichtbar gemacht werden kann, wenn sie als SolistInnen auf improvisierte Musik eines professionellen Jazz-Trios trifft: Piano, Bass, Drum.

Ich wollte wissen, ob ich für meine Idee professionelle Musik-Persönlichkeiten finde, die sich für die Sache begeistern können. Die bereit sind, auf gewohnte Virtuosität des musikalischen Gegenübers zu verzichten zugunsten von sehr speziellem Wesen und Ausdruck.

Ich wusste von Anfang an, dass ich bei Solo:special nicht die Rolle eines Musikers haben würde. Organisation, musikalische Vorarbeit mit den SolistInnen, die künstlerische Leitung des Projekts und die Betreuung der SolistInnen während den Konzerten - mit diesen Aufgaben kann ich die Konzerte mit besonderem Genuss erleben.

Das Konzept

Der Ansatz für Solo:special soll sein, alle beteiligten Musiker und Musikerinnen mit ihren unterschiedlich gearteten Fähigkeiten in einem gleichberechtigten, professionellen Setting auf die Bühne zu bringen. Musikalisch wird darauf verzichtet, komponierte Stücke einzuüben. Vielmehr geht es darum, Musik unmittelbar entstehen zu lassen, im Moment aufeinander einzugehen, eine gemeinsame Ebene zu finden, einander zu ergänzen aber auch zu stören bisweilen, sich inspirieren zu lassen, eine Verbindung zu suchen - zu improvisieren. Zusätzlich zur Musik entsteht die Idee eines Bühnenbildes, das sich im Laufe eines Konzertes immer weiter entwickelt.

Um Solo:special nicht “nur” als flüchtige Konzerte erleben zu können, suche ich Filmemachende, die interessiert sind, uns beim ersten Versuch mit der Kamera zu begleiten und daraus einen Film zu schneiden. Als wichtigen Teil des Projekts.

PHASE 1: ERSTER VERSUCH

Die Suche nach dem Trio

Musiker aus der Welt des Jazz sind besonders oft mit Improvisation konfrontiert. Also suche ich in diesen Gefilden. Für Solo:special sind erfahrene Persönlichkeiten gefragt, die auf unangestrengte Art einen flexiblen, spannungsreichen, aber sicheren Boden unter die oft überraschenden, bisweilen eintönig wirkenden Klänge der besonderen SolistInnen legen und diesen damit auch einen neuen Wert verleihen. Das Trio soll dabei auf keinen Fall seine musikalische Welt aufgeben.

Ich habe Glück: Die ersten drei Musiker, die ich angefragt habe und von denen ich vermute, dass sie meinen Kriterien entsprechen, sagen sofort zu.

Die Suche nach SolistInnen und Ort

Noch einmal Gück: Kurze Anfrage beim Leiter der Werksiedlung Renan.
Kurze Antwort: Wir machen mit.

Stellungnahme von Jürg Beck,
Leiter der Werksiedlung Renan

Philipps Idee, professionelle Jazz-Musiker den intuitiven Klängen unserer BewohnerInnen folgen zu lassen, sie auf einer Konzertbühne auf ihrem individuellen musikalischen Weg zu begleiten und ihnen klanglich einen sicheren Boden zu bereiten, könnte nicht besser den Kern unserer täglichen Arbeit mit diesen Menschen beschreiben und hat uns sofort berührt. Es ist unser innerstes Anliegen, unsere BewohnerInnen in ihrer Einzigartigkeit zu stärken, sie in ihrer Individualität zu begleiten und uns darüber zu freuen, was dabei Wunderbares entstehen kann. Für die Werksiedlung war deshalb sofort klar, dass wir da mitmachen wollen.

Für das Projekt optimal. Die Werksiedlung Renan ist Lebensort für 50 BewohnerInnen mit Behinderung. Viele dieser Menschen beschäftigen sich regelmässig mit Musik, werden gefördert und unterstützt Es gibt einen Theatersaal mit Bühne. Einen Flügel. Wunderbar offenes Personal. Die Bewohnerinnen sind zuhause, können ohne zusätzlichen Aufwand am Projekt teilnehmen.
Im Januar 26 lade ich alle BewohnerInnen für zwei Tage ein, im Saal mit mir zusammen Musik zu machen. Einfach so, wie jeder kann und will, minimal geleitet von mir. Um die Persönlichkeiten kennenzulernen. Es stellt sich heraus, dass sich sieben der Teilnehmenden schwer interessieren, bei Solo:special mitzumachen.

Die Suche nach einem Filmteam

Zum dritten Glück: Stöff Gerber, der schon die Filme über den Klängbus gemacht hat, ist bereit, aus diesem ersten Versuch einen Film zu machen. Er nimmt den Musiker und Sound-Ingenieur Cyrill Hassler mit für Tonaufnahmen und Bühnensound. Wunderbar.

Funktioniert die Idee?
Ein erster Versuch in der Werksiedlung

Im April 26 verbringen sieben interessierte SolistInnen, ein neugieriges Trio, ein Filmteam und ein sehr gespannter künstlerischer Leiter eine Woche in der Aula der Werksiedlung.
Am ersten Tag, nach der technischen Einrichtung, gibt das Trio ein erstes kurzes Konzert für die SolistInnen. Diese hören gebannt zu, einige haben noch nie solche Musik gehört. Nach einer Weile schicke ich spontan die erste Solistin auf die Bühne welche sich sogleich eingibt mit ihrem Instrument. Ein grosser Moment für alle.
Das Trio stellt sich sofort auf die neue Situation ein, spielt weiter, hört zu. Man lernt einander kennen, reagiert, agiert.

So geht es weiter, ein nächster Solist übernimmt, noch eine... bis alle einmal ausgiebig mit dem Trio gespielt haben. Die Musik klingt so, wie ich es mir vorgestellt habe. Zauberhaft. Verspielt. Echt. Es funktioniert. Auch das Filmteam ist immer dabei, in den Spiel-Pausen machen wir Interviews mit allen Beteiligten und kamerabegleitete Reisen durch die Werksiedlung.

Vier Tage verlaufen ab jetzt ähnlich, die SolistInnen warten vor den Proben geduldig auf das Trio, man spielt zusammen und lernt sich immer besser kennen. Das Trio geht auf unglaublich subtile Weise auf die SolistInnen ein und bleibt dabei seiner Musik stets treu. Sie spielen nicht «für Behinderte», sie spielen miteinander.

BÜhnenbild
Hinzu kommen mit der Zeit drei Hellraumprojektoren. Ein Solist arbeitet immer wieder weiter an drei Zeichnungen, die auf Leinwände hinter den MusikerInnen projiziert werden.

Das erste Konzert

Am Freitag dann das erste öffentliche Konzert. Nervosität nicht nur bei den SolistInnen.
Es kommt, neben MitarbeiterInnen, BewohnerInnen und deren Verwandten, erstaunlich viel Publikum von «aussen». Der Saal ist voll. Das Spiel von SolistInnen und Trio fantastisch. Berührende Momente. Ehrliche Musik. Beeindrucktes Publikum.

Die Versuchsphase von Solo:special ist damit abgeschlossen. Es ist uns gemeinsam gelungen, die hohen Erwartungen an das Projekt mit diesem ersten Versuch mehr als zu erfüllen.

Wir machen weiter

Wir sind jetzt auf der Suche nach geeigneten Veranstaltungsorten. Trio und SolistInnen haben sich so gut kennengelernt, das für weitere Konzerte nur minimale Vorbereitungen notwendig

 

©philipp läng 2026